Zirkon vs. PMMA: Welches CAD/CAM-Fräsmaterial ist das richtige für Ihr Dentallabor?

Zirkon vs. PMMA: Welches CAD/CAM-Fräsmaterial ist das richtige für Ihr Dentallabor?

Meisterstück Dental  ·  Fachwissen für Zahntechnik-Labore

 

Die Wahl des richtigen Fräsmaterials gehört zu den zentralen Entscheidungen im modernen Dentallabor. Zirkonoxid und PMMA sind die beiden meistgenutzten Werkstoffe im CAD/CAM-Workflow – und sie könnten unterschiedlicher kaum sein. Wer den Unterschied kennt, spart Material, Zeit und vermeidet teure Nacharbeit.

In diesem Artikel erklären wir, welches Material wofür geeignet ist, welche Faktoren die Wahl beeinflussen und wie Sie für Ihr Labor die richtige Entscheidung treffen.

 

Kurz zusammengefasst:

Zirkon steht für definitive, langzeitstabile Restaurationen. PMMA ist das Material der Wahl für Provisorien, Schienen und kosteneffiziente Übergangslösungen. Viele Labore arbeiten täglich mit beiden Werkstoffen.

 

1. Grundlagen: Was ist Zirkon, was ist PMMA?

Zirkonoxid (ZrO₂) — der Hochleistungswerkstoff

Zirkonoxid ist ein Hochleistungskeramikwerkstoff mit außergewöhnlicher Biegefestigkeit und hoher Biokompatibilität. Moderne Multilayer-Zirkone vereinen mechanische Stärke mit ästhetischen Eigenschaften — transluzente Varianten kommen heute auch im Frontzahnbereich zum Einsatz.

Biegefestigkeit: 800 – 1.400 MPa je nach Variante (Standard, HT, Ultra-HT)

Verarbeitung: Trockenfräsung im vorgesinterten Zustand, anschließend Sintern bei ca. 1.500 °C

Lieferform: Blöcke (Chairside-Systeme wie CEREC) und Ronden/Disks (offene Laborsysteme)

 

PMMA — der flexible Allrounder

PMMA ist ein Kunststoff auf Acrylbasis, der im CAD/CAM-Workflow als Fräsblock oder Fräsronde verarbeitet wird. Es ist deutlich günstiger als Zirkon, einfach zu fräsen und bietet breite Indikationsflexibilität.

Biegefestigkeit: 80 – 130 MPa (je nach Vernetzungsgrad und Hersteller)

Verarbeitung: Nassfräsung, kein Sinterprozess — direkt nach dem Fräsen einsatzbereit

Lieferform: Monocolour-Blöcke, Multilayer-Disks, in VITA-Zahnfarben (A1, A2, A3, B1 etc.)

 

2. Zirkon vs. PMMA auf einen Blick

 

Eigenschaft

Zirkon (ZrO₂)

PMMA

Festigkeit (MPa)

800 – 1.400

80 – 130

Indikation

Definitive Restaurationen

Provisorien, Schienen, Modelle

Ästhetik

Hoch (Multilayer verfügbar)

Gut (polierbar, einfärbbar)

Kosten/Einheit

Höher

60–80 % günstiger

Fräsart

Trocken

Nass

Sinterprozess

Ja (~1.500 °C)

Nein

Biokompatibilität

Sehr hoch (ISO 13356)

Hoch

Reparatur

Bedingt möglich

Einfach (Reparaturkunststoff)

Tragezeit

Dauerhaft

Wochen bis max. 3 Jahre

Systemkompatibilität

Offen & geschlossen

Überwiegend offen

 

3. Einsatzbereiche: Was passt wozu?

Wann Zirkon die richtige Wahl ist

Zirkonoxid ist das Material der Wahl für langzeitstabile, definitiv versorgte Restaurationen:

     Kronen und Brücken (monolithisch oder verblendet)

     Implantat-getragene Suprakonstruktionen

     Veneers und Inlays (mit ausreichend transluzenter Variante)

     Frontzahnversorgungen mit hohen ästhetischen Anforderungen

     Abutments (bei entsprechendem System)

 

Praxis-Tipp:

Für Brücken bis 4–5 Glieder empfehlen wir Multilayer-Zirkon mit mind. 1.000 MPa. Für monolithische Frontzahnversorgungen eignen sich Ultra-HT-Varianten mit 45–48 % Transluzenz besonders gut.

 

Wann PMMA die richtige Wahl ist

PMMA überzeugt immer dann, wenn Flexibilität, Schnelligkeit und Kosteneffizienz gefordert sind:

     Langzeitprovisorien (bis 3 Jahre möglich)

     Biss- und Knirscherschienen

     Bohrschablonen für implantologische Eingriffe

     Try-in-Restaurationen vor definitiver keramischer Versorgung

     Teleskop- und Primärkronengerüste aus Kunststoff

     Kieferorthopädische Hilfsgeräte

 

Kostenvergleich:

Bei gleichem Fräsaufwand sind PMMA-Rohlinge oft 60–80 % günstiger als vergleichbare Zirkon-Rohlinge. Bei hohem Provisorienaufkommen ist das ein erheblicher Kalkulationsvorteil.

 

4. Systemkompatibilität: Offen vs. geschlossen

Geschlossene Systeme (z. B. Dentsply Sirona CEREC / inLab)

Hier sind primär herstellerzertifizierte Markenblöcke vorgesehen — für Zirkon (z. B. Cercon, CELTRA Zir) und PMMA (z. B. CEREC Tessera, Splint PMMA). Die Kompatibilität wird vom Hersteller explizit freigegeben.

Offene Systeme (z. B. vhf, Amann Girrbach Ceramill, Roland DWX)

Offene Frässysteme ermöglichen den Einsatz eines breiten Drittanbieter-Spektrums. Das eröffnet erhebliche Einsparpotenziale, besonders bei PMMA-Ronden. Labore können zwischen Premium-Marken und preisgünstigen Alternativen wählen — je nach Indikation und Kalkulationsdruck.

 

Hinweis für Einkäufer:

Alle Materialien in unserem Shop sind mit Systemkompatibilitätsangabe gelistet. Bei Fragen zur Eignung für Ihre Fräsmaschine erreichen Sie uns jederzeit persönlich.

 

5. Worauf Sie beim Kauf achten sollten

Qualitätskriterien bei Zirkon

     Festigkeitsangabe (MPa) und Transluzenzgrad passend zur Indikation

     Geometrie auf Ihre Fräsmaschine abstimmen (Blockgröße, Rondenmaß)

     CE-Zertifizierung und ISO 13356 prüfen

     Kompatible Einfärbeflüssigkeiten mitbestellen

     Sinterzeiten des Ofens beachten — Schnellsintern erfordert geeignete Materialien

 

Qualitätskriterien bei PMMA

     Hochvernetzte Sorten für Langzeitprovisorien bevorzugen

     MMA-freie Varianten für Patienten mit Acrylat-Sensibilität wählen

     Farbwahl bei Multilayer-Ronden vor Bestellung abstimmen

     Polierbarkeit: Relevanz bei Schienen und Totalprothesen

     Transparente Varianten für Schienen und Aligner

 

6. Wirtschaftlichkeit: Richtig kalkulieren

Viele Labore betrachten Materialkosten isoliert. Tatsächlich beeinflusst die Materialwahl auch Fräszeit, Werkzeugverschleiß und Nacharbeitsaufwand:

 

Kalkulationsfaktor

Zirkon

PMMA

Materialpreis/Einheit

Höher

Deutlich günstiger

Fräszeit

Länger (Trocken)

Kürzer (Nass)

Werkzeugverschleiß

Mittel bis hoch

Gering

Nacharbeitsaufwand

Sintern, ggf. Bemalen

Polieren

Reparatur

Aufwendig

Einfach möglich

Abrechnungspotenzial

Hoch (GOZ)

Geringer (Provisorium)

 

Für Labore mit hohem Provisorienaufkommen ist PMMA wirtschaftlich fast immer erste Wahl. Für Labore mit vielen vollkeramischen Einzelzahnrestaurationen amortisiert sich hochwertiger Multilayer-Zirkon rasch durch bessere Abrechnungspositionen.

 

7. Fazit: Kein Entweder-oder

Zirkon und PMMA schließen sich nicht aus — sie ergänzen sich. In einem gut aufgestellten Dentallabor sind beide Materialien täglich im Einsatz: Zirkon für definitive, hochwertige Restaurationen; PMMA für schnelle, flexible und kosteneffiziente Lösungen.

Wer beide Materialien konsequent nach Indikation einsetzt und die Systemkompatibilität seiner Fräsmaschine kennt, arbeitet effizienter, günstiger und mit besserer Qualität.

 

Ihr nächster Schritt:

Bei Meisterstück Dental führen wir Zirkon-Rohlinge, PMMA-Fräsronden und das passende Zubehör — CE-zertifiziert, schnell geliefert, persönlich beraten. Entdecken Sie unser CAD/CAM-Sortiment auf ms-dentaldepot.de.

 

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